Stefan Lößer – Vortrag: Das verhinderte Kind

Das verhinderte Kind

(oder auch vom Eisenhans und der Klugen Else)

 

 

(Ein kurzer Anriß über das Vortragsthema)


 

Grundsätzliches über die Entwicklung eines Menschen in Abhängigkeit seiner Anlagen

  • 4-Quadranten Lehre von Aristoteles
  • Aphroditisch / Phänomenistisch
  • Die Grenze

Die Welt des Kindes ist im 4. Haus, im Zeichen des Krebses. Das Kind ist näher am Unbewussten als die Erwachsenen. Es ist die Welt, in der die einzelnen Dinge des Lebens, die im Empfinden hochkommen, noch nicht voneinander getrennt sind. Es ist eine Welt, in der die Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart ineinander verwoben sind, weil sie noch nicht unterschieden werden.(W.Döbereiner)

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Beispiele über Grenzverletzung ...

Beispiele aus der Tierwelt

Man stelle sich vor, ein Fisch schwimme im Wasser an der Kaimauer entlang und sähe wie oben auf der Mauer ein Pudel entlangliefe. Und nun käme in dem Fisch der Wunsch auf, doch auch einmal auf der Kaimauer spazierengehen zu wollen. Der Fisch hat seine Gegenwart und die Gestalt seines Maßes aber im Milieu des Wassers und wenn er das verläßt, dann stirbt er. Wir hätten es hier aber mit einem ganz "schlauen"? Fisch zu tun und der würde sich jetzt den (Fisch-)kopf zerbrechen wie er es anstellen könnte, um seine Grenze des Daseins, das Wasser, zu überschreiten, ohne draufzugehen. Er würde eine Art Luftanzug mit Wasserluftgerät bauen, sich das umschnallen, noch eine maschinelle Geh-Hilfe dazu, um dann endlich für begrenzte Zeit auf der Kaimauer zu "spazieren". Er wäre dann auf der Kaimauer aber nichts anderes als die Erscheinung eines technischen Vorgangs, also Teil der Maschine.
Jeder außerhalb des Wassers würde merken: He, der gehört doch gar nicht hierher. Den müssen wir mal ganz gut im Auge behalten!
Und die Fische im Wasser würden sagen: Um Gottes Willen, der gehört nicht mehr zu uns. Dem können wir nicht mehr trauen!

Nur bei uns Menschen scheint es anders zu sein...

Beispiele aus dem Alltag

In unserer Zeit leben wir in einer solchen Fülle von Grenzüberschreitungen, daß es ein Wunder ist, daß wir alle noch nicht ausgestorben sind. (Fast) Alle Grenzen werden mittels Technik überschritten. Wir bauen Flugzeuge und sagen wir könnten fliegen, wir bauen U-Boote und sagen wir könnten tauchen, wir bauen Autos, damit wir, ohne uns anzustrengen und ohne, daß uns jemand begegnen könnte, schneller von A nach B kommen. Wenn uns denn doch jemand begegnet, ist das in der Regel nicht gewollt und endet in einem Unglück. Auf diese Art und Weise verbringen wir unser Leben in ständiger Grenzüberschreitung und müssen permanent aufpassen, daß die Technik, unsere Krücke, die unsere Gegenwart bestimmt, uns also zu einem Vorgang von Technik macht, nicht versagt, denn sonst bricht alles zusammen und ruft uns in Erinnerung, was wir wirklich verloren haben: DA zu sein, eine Gegenwart zu haben, also aus uns bewegt und nicht fremdgesteuert, also nicht "zu funktionieren".

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Symptome, die sich aus der Verletzung der Gestalt ergeben

  • Zappelphillip
  • Träumer
  • Streber
  • Agressor
  • Überaktiver
  • Clown

Das Kind kann seine Eigenart in der Familie nicht entfalten, da die Familie die angelegte Wirklichkeit, also seine zukünftige Gestalt, nicht erträgt und als Gefahr für den Familien-Clan ansieht. Dies geschieht unbewußt und unter dem Deckmantel der Fürsorge für das "arme"Kind.
Die Andersartigkeit des Kindes ist eine Folge von sogenannten Verdrängungen, die sich in der Familie manifestiert haben, so daß die Familienmitglieder diese Verdrängungen nicht mehr gewillt sind selbst zu lösen/leben.
Das "artfremde" auffällige Kind entspricht somit einem Heilmittel für die Familie, geschickt vom "Himmel" oder auch Schicksal genannt. Indem durch das Kind die Problematik der Familie durch äußeres Geschehen sichtbar wird, kann das Fehlende, das nicht-Gelebte der Familie erscheinen und erkannt werden. Anders ausgedrückt: Durch Annahme und Erkennen des scheinbar anders-seienden Kindes kann die Familie wieder zu einem stimmigen, wohlwollenden Gefüge werden. In einem Gefüge hat JEDER seinen Platz, gerade durch sein anders-sein und ohne den Anderen zu verdrängen.
Was ich in mir verdränge, was aber zu mir gehört, muß mir als Begegnendes "zufallen", damit ich die Chance habe, mein nicht-Gelebtes im Anderen als einen Teil von mir zu erkennen.
Das, was mich am Anderen ärgert, ist immer das, was ich in mir verdrängt habe.

(Beispiel dazu)
Jemand macht ständig Revierübergriffe bei mir. Was wird sichtbar?
1. Meine Schwäche mein Revier zu verteidigen, wobei noch zu klären wäre, ob eine Revierverteidigung mir überhaupt in der entsprechenden Situation zusteht.
2. Der Revierverletzer traut sich etwas, was ich mir aus Gründen der Erziehung versage, was aber trotzdem in mir schlummert.
Also, anstatt auf den Revierverletzer loszugehen und ihn zu verjagen oder sich zurückzuziehen und die Wut nach innen fressen, könnte man den Revierverletzer fragen, warum er sich ausgerechnet "meinen Garten" ausgesucht hat und nicht den eines Anderen. Dadurch käme auf jeden Fall etwas zur Sprache, nämlich die gegenseitige Attraktion (Anziehung), zum einen Täter? sein zu müssen und zum anderen Opfer sein zu wollen.
Es käme auf jeden Fall zur Artikulation durch Erlebnis und somit zur Befreiung von dem bis dato beherrschenden "Dämon", ganz so, wie es im Märchen Rumpelstilzchen beschrieben ist; gleich einer mythischen Erfahrung und deshalb immer und ewig gültig.
Solche Gespräche sind allerdings nur sehr vorsichtig mit Kindern zu führen. Es besteht die Gefahr der Intellektualisierung eines Geschehens und somit die Verhinderung genau dessen, was man eigentlich fördern möchte: Ein ehrliches, offenes Gespräch aus der Schwäche heraus.
Kinder sprechen es sowieso aus, wenn man richtig zuhören gelernt hat.
Schreien und brüllen hilft nichts, es verschlimmert und verhärtet nur alles. Es macht dem Kind bewußt, daß die Eltern oder Lehrer die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben. Die Autorität, die immer nur von innen kommt, ist futsch; es bleibt nur noch ein Machtkampf übrig: Erziehungsperson gegen Kind. Was für ein Drama!
Das Kind kann keiner Person vertrauen von der es merkt, daß es Macht ausübt, anstatt ein ruhender Pol zu sein, der Orientierung anbietet, inmitten von emotionalem Chaos.

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Lösungsvorschläge ...

Aus all dem Gesagten kann man ein grundsätzliches Thema erkennen:
Das Problem mit sogenannten "auffälligen" Kindern hängt immer zusammen mit der Andersheit seiner Verwirklichungsanlage und der Verhinderung eben dieser durch den Familienverband oder Kindergarten oder Schule etc.
Es gilt daher die Prämisse, dem Kind seine Ihm zugehörige Entwicklung zu belassen unter folgenden Stichpunkten:

  • Sich, die Umwelt und seine Grenzen selbst entdecken lassen
  • Nicht belügen
  • Auch "Falsches" entdecken lassen
  • Keine intellektuellen Erklärungen!
  • Kind sein lassen
  • Wohlwollend fördernder Begleiter sein

Die Tibeter (und nicht nur diese) sagen: Das Kind ist nicht Besitz der Eltern und schon gar nicht der Mutter.
Als Eltern sollten wir das uns vom Himmel anvertraute Kind, das neue Leben, ernähren, daß es ihm nicht schadet und mit aufmerksamer Gelassenheit die in dem Kind angelegten Talente und Begabungen fördern, ohne das Kind zu zwingen. Vor allem sollten wir als Eltern uns immer wieder kritisch zweifelnd fragen, ob wir nicht doch bereits Übergriffe tätigen, die wir eigentlich gar nicht wollen. Nur zu leicht sind die Eltern versucht IHRE nicht gelebten, unerreichten Ziele in das Kind zu projizieren und dadurch das Neue, in dem Kind angelegte, zu verhindern. Gut, wenn sich das Kind dann noch wehren kann "durch Auffälligkeit"?.

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Persona

Der Dozent ist Vater von zwei erwachsenen Kindern, verheiratet und seit über 25 Jahren als Berater/Orientierer tätig.
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